01.04.2025
Abschied vom Gemeindehaus in Lauchhammer-Ost
Nach 70 Jahren lebendigen Gemeindelebens wurde das evangelische Gemeindehaus in Lauchhammer-Ost verabschiedet. Der letzte Gottesdienst, viele Erinnerungen, bewegende Begegnungen – und ein Flohmarkt für den guten Zweck bildeten den Abschluss einer langen Geschichte. Ein Rückblick auf einen Ort, der vielen viel bedeutet hat.
Am 12. Januar 2025 wurde der letzte Gottesdienst im Gemeindehaus Lauchhammer-Ost gefeiert. Ein vertrauter Ort, der über viele Jahrzehnte Heimat für die evangelische Gemeinde war, wurde verabschiedet. Das Gebäude in der Hüttenstraße 28A – schlicht, funktional, und doch voller Erinnerungen – wird verkauft. Der Gemeindekirchenrat hatte diesen Schritt beschlossen. Bis zum letzten Tag fanden im Gemeindehaus Lauchhammer-Ost die monatlichen Gemeindenachmittage statt. Herr Lunkwitz, Frau Aust und Frau Perzynski haben sich dabei in besonderer Weise verdient gemacht. Mit viel Herzblut organisierten sie die Nachmittage, sorgten für eine einladende Atmosphäre – und kümmerten sich zugleich um das Gebäude und das umliegende Grundstück.
An diesem Januarsonntag lag Dankbarkeit in der Luft – und leise Wehmut. Das evangelische Gemeindehaus in Lauchhammer-Ost, seit 1954 ein fester Ort für Glauben, Begegnung und Gemeinschaft, wurde verabschiedet. Zwei Frauen, die eng mit diesem Haus verbunden sind, teilen ihre Erinnerungen: Christl Herz, die über drei Jahrzehnte als Organistin die Gottesdienste musikalisch begleitete, und Edit Aust, die sich viele Jahre im Gemeindekirchenrat engagierte. Was einst als einfache Baracke unter Pfarrer Engelmann errichtet wurde, entwickelte sich über 70 Jahre hinweg zu einem lebendigen Mittelpunkt des Gemeindelebens. Kinderchor, Knabenchor unter Leitung von Diakon Schwarze, Christenlehre, Jugendgruppen, Evangelisationen, Gemeindenachmittage – das Haus war mehr als ein Gebäude. Es war ein Raum, in dem der Glaube geteilt, Freundschaften geknüpft und Generationen miteinander verbunden wurden. Die regelmäßigen Sonntagsgottesdienste prägten das Leben vieler Menschen und gaben Halt im Alltag. Auch besondere Ereignisse blieben im Gedächtnis. Vor rund 20 Jahren verkündete ein Minister in diesen Räumen die Förderung des Projekts „Jugend forscht“. Bald darauf forschten und experimentierten hier Kinder und Jugendliche unter Anleitung von Fred Hocker – bis das Projekt schließlich ins Mehrgenerationenhaus umzog. Neben Edit Aust waren auch Frau Perzynski und Detlef Lunkwitz viele Jahre als Mitglieder des Gemeindekirchenrats aktiv. Die Gemeindenachmittage, die sie mitgestalteten, waren bis zuletzt gut besucht – lebendige Inseln der Begegnung, des Austauschs und des Glaubens inmitten des Alltags.
Der Abschiedsgottesdienst war festlich und gut besucht. Pfarrer Schmidt stellte ihn unter das Wort Jesu aus Johannes 8,12: „Ich bin das Licht der Welt.“ Dieses Licht, so wurde es spürbar, hat über Jahrzehnte durch die Menschen und das Miteinander in diesem Haus geleuchtet – und es soll weitergetragen werden. Brot und Wein wurden geteilt, Danklieder gesungen, Gebete gesprochen. Im Anschluss blieb noch Zeit für Gemeinschaft bei Kaffee und Kuchen. Alte Fotos wurden herumgereicht, Geschichten erzählt, Namen genannt, an die man sich gerne erinnert. Auch wenn das Gebäude bald nicht mehr der Gemeinde gehört – die Erinnerungen bleiben. Und das Licht, von dem Jesus spricht, zieht mit um.
Am 8. März öffnete das Gemeindehaus noch ein letztes Mal seine Türen – diesmal für einen kleinen Flohmarkt. Alles, was nicht mit umziehen konnte, wurde zugunsten dem Kinder- & Jugendbegegnungszentrum Arche Lauchhammer verkauft. Viele Interessierte kamen, stöberten durch die Räume und nahmen sich Zeit, ein Stück Geschichte mit nach Hause zu nehmen. Manche waren langjährige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter der Gemeinde, andere betraten das Gebäude zum allerersten Mal. Erinnerungen wurden wach. Ein Besucher erzählte, dass seine Großmutter einst genau hier gewohnt hatte – bevor das Haus zum Gemeindezentrum wurde. Zwischen alten Stühlen, Gesangbüchern, Wandbildern und Kerzenleuchtern fanden viele antike Stücke neue Besitzerinnen und Besitzer – und damit vielleicht ein neues Kapitel.
So endete die Geschichte des Gemeindehauses nicht in Leere, sondern mit Gesprächen, Begegnungen und dem guten Gefühl, dass vieles weiterlebt – an anderen Orten, in anderen Händen, aber mit demselben Geist der Gemeinschaft.
Text: S. Bugai
Ein herzlicher Dank gilt Christl Herz und Edit Aust, die ihre Erinnerungen in einem gemeinsam verfassten Text zur Verfügung gestellt haben. Viele der geschilderten Eindrücke und Begebenheiten in diesem Rückblick gehen auf ihre Worte zurück.